Spezial: Triggerpunkte einer hyperpolitischen Gesellschaft | mit Linus Westheuser & Anton Jäger
Linus Westheuser und Anton Jäger diskutieren mit Heinrich Geiselberger, warum sich alle über Politik aufregen – und sich trotzdem nichts verändert.
Linus Westheuser und Anton Jäger diskutieren mit Heinrich Geiselberger, warum sich alle über Politik aufregen – und sich trotzdem nichts verändert.
Die AfD steht mittlerweile bei Umfragewerten von über 30 % und könnte in vielen Ländern stärkste Kraft werden. Eine der Ursachen für diesen Aufstieg ist die neoliberale Sparpolitik der letzten Jahrzehnte. Einer Studie der Schwedischen Reichsbank zufolge haben Einsparungen in den regionalen Haushalten von 1 % etwa zu einem Anstieg des Stimmenanteils für extreme Parteien von 3 % geführt. Wie Sparpolitik und der Aufstieg der Rechten zusammenhängen, erklärt der Journalist Georg Diez bei Jacobin Talks.
In »Sehnsucht nach dem Kapitalismus« geht der verstorbene britische Kulturtheoretiker Mark Fisher unseren Wünschen und Begierden im und nach dem Kapitalismus auf den Grund. Das Buch war Mark Fishers letztes Lebenswerk: Seine Vorlesungen am Goldsmiths College vom November 2016 bis zu seinem tragischen Tod im Januar 2017. Nun liegt es erstmalig ins Deutsche übersetzt vor. Was hat Mark Fisher uns noch zu sagen über den kapitalistischen Realismus, der unser Denken formt und und das politische Handeln bestimmt? Darüber sprach Matthias Ubl mit Anton Jäger bei Jacobin Talks.
Gibt es in der Weltgeschichte Fortschritt und wie genau lässt er sich verstehen? Sozialistische und auch liberale Weltbilder sind vom Fortschrittsdenken geprägt, gemeinsam ist ihnen die Vorstellung von einer besseren Zukunft. Doch das Fortschrittsdenken hat seit dem 20. Jahrhundert seine Kraft eingebüßt.
Die Philosophin Rahel Jaeggi entwirft im Anschluss an Karl Marx' materialistisches Geschichtsverständnis einen neuen Begriff des Fortschritts und seines Gegenstücks, der Regression. Fortschritt gibt es nach Jaeggi immer da, wo Gesellschaften Probleme lösen und Bedingung für Emanzipation schaffen. Matthias Ubl spricht mit der Philosophin bei Jacobin Talks.
"Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit", schrieben Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in ihrem berühmten Kulturindustriekapitel in der Dialektik der Aufklärung von 1944. Doch ist dieses Diktum in unserer "Gesellschaft der Singularitäten" noch aktuell? Inwiefern ist Kultur überhaupt Träger von Ideologie und lässt sich als solche kritisieren?
Wolfgang M. Schmitt knüpft mit seiner Filmanalysen an diese Fragen an und hat in unzähligen Videos die Ideologiekritik praktisch erneuert. Schmitt analysiert sowohl den populären Film von "Paw Patrol" bis "Avengers", als auch die großen Klassiker von Truffaut bis Scorsese. Seit Kurzem kann man seine Analysen auch als Buch erwerben. Mit Matthias...
Die Gesellschaft ist politisch gestaltbar und lässt sich in der Zukunft zum Besseren verändern. So lautete ein zentrales Versprechen der politischen Moderne. Doch in der Gegenwart hat diese Vision an Strahlkraft eingebüßt, eine emphatische Vision für die Zukunft scheint uns angesichts der multiplen Krisen der Gegenwart abhanden zu kommen.
Die Soziologin Alexandra Schauer rekonstruiert in ihrem umfangreichen Buch "Mensch ohne Welt" wie in der modernen Gesellschaft wechselseitige Verständigung und gemeinsamen politisches Handeln an Bedeutung gewannen und so politische Emanzipation ermöglichten. Doch heute steht dieses Weltverhältnis in Frage.
Deutschland ist ein extrem ungleiches Land. Im Jahr 2018 titelte der Spiegel, dass 45 Superreiche so viel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Heute sind es nur noch zwei Familien, die mehr Vermögen besitzen als 41,5 Millionen Menschen.
Die Politikwissenschaftlerin Martyna Linartas setzt sich seit Jahren mit der Ungleichheit in Deutschland auseinander und hat die Initiative ungleichheit.info gegründet. Sie will über Ungleichheit aufklären und stellt auf ihrer Webseite aktuelle Zahlen und Forschungsergebnisse bereit. Bei JacobinTalks sprach sie über die Rolle von Steuern bei der Abschaffung von Ungleichheit.
Die Wirtschaftswissenschaftlerin Jana Costas hat sich ein halbes Jahr den Reinigungskräften am Potsdamer Platz in Berlin angeschlossen. Sie beschreibt in ihrem Buch "Im Minus Bereich - Reinigungskräfte und ihr Kampf um Würde" die alltäglichen Kämpfe der Arbeitenden. Dabei wird deutlich, dass sich unter den Reinigungskräften eigene Codes und Überlebensstrategien ausbilden, viele von ihnen aber auch einen ganz eigenen Berufsstolz ausbilden. Matthias Ubl spricht mit Costas über Reinigungskräfte als Teil der arbeitenden Klasse, in dem jedoch große Vereinzelung herrscht.
Gibt es Fortschritt in der Geschichte? Für große Denker wie G.W.F. Hegel und Karl Marx waren geschichtsphilosophische Figuren zentraler Teil ihres Denkens: Der Mensch befreit sich durch Arbeit von den Zwängen der Natur und baut sich eine gesellschaftliche Welt, die wiederum vernünftig eingerichtet werden soll, um allen Freiheit zu ermöglichen. Doch das geschichtsphilosophische Menschenbild ist in den letzten Jahrzehnten aus der Mode gekommen und wurde selbst für tot erklärt, etwa von Denkern wie Michel Foucault oder der Evolutionsbiologie.
Der Philosoph Daniel Martin Feige hat mit seinem Buch „Die Natur des Menschen – eine dialektische Anthropologie“ nun eine Verteidigung der Geschichtsphilosophie...
Wie genau funktioniert unser modernes Geldsystem und wie können wir es in den Dienst der Mehrheit stellen? Nicht zuletzt die Modern Monetary Theory hat eine breite Debatte über das Geldsystem angestoßen. Geld ist demnach keine neutrale, unpolitische Technologie, sondern letztlich eine politische designtes System. Das bedeutet auch, das Staaten theoretisch viel größere Spielräume haben, um Geld auszugeben - etwa für den grünen Umbau oder den Sozialstaat.
Der Wirtschaftssoziologe Aaron Sahr knüpft an die Erkenntnisse der MMT an und hat mit seinem Buch "Die Monetäre Maschine - Eine Kritik der finanziellen Vernunft" eine umfassende Beschreibung des Geldsystems vorgelegt. Sahr zeigt, dass...
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